Überblick 2014 (Auszüge):

Hannover: Der Turm (18.Oktober)

Darss (7.10., Kraniche: 4.Oktober)

Welze (bei Hannover): Alter Bauernhof (21.9.), Pferde an der Leine (20. September)

Hamburg: Barmbek (18. September), Harburger Binnehafen (26. Juli)

Italien (Venendig - 19. Juli, 16. Juli, 12. Juli, Alte Zuckerfabrik - 11. Juli)

Kulturelle Landpartie Wendland (5. Juni, 28. Mai)

Magdeburger Lagerhaus (17. Mai)

Schalsee (28. April)


11. Oktober 2014

Der Turm

 

Sechs Ebenen Stahlbeton, ein paar eiserne Geländer, das wirkt stabil. Dazwiscvhen fast nichts, entkernt, alles Beiwerk verschwunden, ein weiter Blick in die Ebene. Fünfzehn Jahre alt und schon eine Ruine, aber was für eine! Moderne Architektur, geschwungene Öffnungen geben einen schrägen Weg auf die nächste Ebene frei, außen Treppen, innen Luft. Höhenangst verboten. Nicht so einsam wie vermutet: ich zähle sechs Neugierige, in diesem Augenblick, alle nach ganz oben, über zweihundert Stufen. Ob außer m ir noch jemand den Kite-Flieger am Horizont gesehen hat (letztes Bild)?

Das war mal Kunst. Aber kann es jetzt weg? "Kein Vandalismus, Kein Feuer" fordert ein handgemaltes Schild unten am Zaun auf. Es wäre schön, wenn das Bauwerk erhalten bliebe, nicht immer weniger und immer bröseliger würde, wenn man immer wieder mal rein (oder rauf-)gucken könnte, wenn es einen des Wegs führt. Vielleicht hängt bald ein Schild "Betreten verboten" - das habe ich bisher nicht gesehen.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Darsser Hirschweih

Auf dem Darsser Ort. der Nordsitze der Halbinsel, spazieren die Hirsche mit ihrer Familie durch die Dünenlandschaft. Es scheint ihnen Sicherheit zu geben, dass dort im Naturschutzgebiet nichts Unerwartetes zu befürchten ist, außer einem nicht abreißenden Touristenstrom auf dem Bohlenweg, aber die tun nichts, wollen ja nur knipsen. Und die Hirsche sind ein paar hundert Meter entfernt, gegen den Wind, und sind ausreichend beschäftigt damit zu röhren und überhaupt brünftig zu tun wie Hulle. Das Schauspiel hat uns fasziniert - nicht zuletzt weil wir es überhaupt nicht erwartet hatten, da tatsächlich große Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Mein 16-300er Objektiv war trotz allem überfordert, so entstehen Bilder, die ein bisschen wier gemalt aussehen, das ist aber gar nicht beabsichtigt, der Fotograf bittet um Nachsicht.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Barth und andere Kleinigkeiten

Die Dörfer und Städtchen in der Fischland-Gegend sind proper und zeigen mit Stolz ihre alten Formen - wenn auch fast alle neu verputzt (Rauputz, nur Rauputz) und zum großen Teil mutig bunt gestrichen. Neongelb, violett, petrol - keine Modefarbe, die nicht das eine oder andere Haus ziert, mit den Komplementärfarben auf den Fensterläden. Aber wie auch immer -  es ist hübsch in Barth und Stralsund, Zingst und Ribnitz-Dammgarten. Nur wenige unverputzte Zeugen der Vergangenheit (wie oben: die alte Fabrik in Barth), und die setzen interessante Kontrapunkte. Man sollte sie so erhalten.... Es gibt auch eine alte Zuckerfabrik in Barth - aber ich fand sie nicht annähernd so interessant wie die in Ca' Venier im Veneto (siehe Eintrag vom 11. Juli 2014). Hier in Barth ist in der ehemaligen Fabrik am Wirtschaftshafen ein kunterbuntes Museum untergebracht, mit einer skurrilen Ausstellung über den Untergang der Titanic und einer Sammlung von tausenden von Playmobil-Figuren und einer Halle voller Oldtimer (vom DeSoto aus den vierziger Jahren bis zum DKW 1000 und verschiedenen Skodas). Na ja, draußen schien die Sonne und der Hafen war interessant...

Die beiden Knöpfe in der unteren Bilderreihe über diesem Text sind übrigens aus der Zuckerfabrik: ein erbrochenes Siegel, einen Raum nicht mehr sichernd, der sein Geheimnis trotzdem nicht preisgibt, die Tür ist nämlich ganz schnöde abgeschlossen. Was für eine Geschichte sich dahinter wohl verbergen mag... unveröffentlichtes Material über den Untergang der Titanic...oder die Geheimformel für den unverwüstlichen Plastikstoff, aus dem die Playmobilfiguren sind... ich hab es nicht herausbekommen. Die Quietsche-Ente ziert übrigens die Front des Ozeaneums in Stralsund. Inmitten der Backsteingotik ein nahezu gewagter, aber gelungener eye-catcher.

In Stralsund liegt neben dem Rathaus die Nicolai-Kirche, ein Riesenteil, das über eine erstaunliche Vielfalt von altem Gemäuer, modernen Fenstern (zumindest in einem kleinen Seitenaltar), über eine aktuelle Ausstellung über Frauen im DDR-Wiederstand, eine altrosa Monsterorgel und viele sehens- und liebenswerte Details verfügt. Da ist noch viel zu tun, daher ist es hier mal gerechtfertigt, für den Besuch der Kirche Eintritt zuu verlangen. Obwohl, komisch ist es schon... aber der Petersdom ist ja auch nicht umsonst gewesen, wenn ich mich recht erinnere...und bei der Kulturellen Landpartie im Wendland muss man sogar für das Betreten des Dorfes Satemin Eintritt bezahlen.


Sonnabend, 4. Oktober 2014

Die Kraniche über dem Darss

Auf der Insel Große Kirr vor der Boddenpromenade von Zingst übernachten tausende von Kranichen. Beim Pramort und in Richtung Hiddensee nochmal ain paar Tausend. Jeden Morgen fliegen sie zu ihren Fressplätzen zwischen Stralsund und Rostock, abends wieder zurück, und pausenlos trompeten sie vor sich hin. Sonst verlierern sie den Kontakt zu den Scouts, die in Zweier- oder Dreiergruppen vorausfliegen und das Ziel erkunden. Erst wenn alle nach zwei Wochen ausreichend Reiseproviant auf die Riuppen gefuttert haben, fliegen sie richtig los gen Spanien. Bis dahin dröhnt der Himmel über dem Darss. Auch über dem Campingplatz, über dem Abendspazier-gang, und wenn man morgens aufwacht, tönt es schon wieder vom Himmel. Dabei vergessen sie nie ihre elegante Körperhaltung (außer beim Landen, das kann schon mal ziemlich dämlich aussehen). Größter Sponsor der Region (z.B. profitieren NABU, Museen, Fremdenverkehrsbüros davon) ist die Lufthansa. Die Linie mit dem Kranich. Dabei heißt deren Tochtergesellschaft Kondor. Und, richtig erkannt, unten links, das sind zwei Schwäne. Wenn die fliegen, hört man es über dem Wasser kilometerweit, ohne dass sie trompeten müssen wie die Kraniche. Mit archaischer Kraft peitschen die Flügel die Luft.  Das zischt, als wenn eine Dampflok abgeht. Oder so ähnlich.


21. September 2014

Der alte Bauernhof von 1816 ist eigentlich ein Denkmal. Aber jetzt ist er nur noch eine Abrissruine. In der niedersächsischen Tiefebene gibt es noch genug Bauernhöfe und Eichen und Natur, da kommt es auf ein paar Exemplare weniger nicht an. Es ist ein Jammer. Auf dem Dachboden liegt noch ein Hannoverscher Anzeiger von 1938. Die eigentlich eher neutrale Zeitung war von den Nazis gleichgeschaltet, ich hätte gern darin geblättert. Es fällt schwer, die Ethik des Ruinen-Fotografen zu beachten und sie unberührt  liegen zu lassen. Aber irgendwer muss ein bisschen Ethik ja achten, macht ja sonst keiner. Daneben liegt ein Exemplar von  "Immensee" und anderen Storm-Novellen.  Und im Wohnzimmer steht noch die Flasche Doppel-Herz neben einem Gebinde "Petite Fleur", was auch immer das für ein Likör gewesen sein mag...


20., Septembert 2014

Pferde an der Leine

Auf einer Wiese am kleinen Nebenfluss der Aller, der zu so vielen Wortspielen animiert, toben die Pferde durchs Wasser und im Staub. Sie rangeln und ärgern sich, rennen los und bremsen abrupt ab, es macht alles keinen Sinn und hat deshalb so viel Verstand.


Sonntag, 17.August 2014 - Harburger Binnenhafen

Mit vier Fotokollegen von den "Urbanists" durch einen Ausschnitt des Harburger Binnenhafens spaziert. Baustellen und einige Reste von früher. Balkons in Abend-sonne. Ausbruch eines Ringvulkans auf Alpha Centauri (oder: Baustellen-armierungen von oben). Spiegelung. Im alten Kontorhaus Renck & Hessenmüller. Fußgängertunnel zurück ins Leben. Und zu guter Letzt Storch im Landeflug  im Friesenwerder Moor gleich neben Harburg


Sonnabend, 26. Juli 2014 - Buchholzer Stadtspaziergang durch die Ortschaften

 

Die Stadt Buchholz führt uns durch die sechs Buchholzer "Dörfer" Dibbersen, Steinbeck, Trelde, Sprötze, Holm- Seppensen und Reindorf. Die Stadt - das sind heute die Baudezernentin Grondke und der Presse- sprecher Helms. 50 Bürger lernen die Ausläufer ihrer Stadt ein bisschen besser kennen. Es geht in Dibbersen los - an der Mühle natürlich. Der weite Blick ins Land und der Durchblick durch den Mühlenraum zeigen, wie facettenreich der Spaziergang wird. Eine Erfrischungspause dann in Trelde an Oarns Hoff - Das Gebäude wird saniert, vor drei Jahren sah es idyllischer aus (obere Reihe  links), jetzt findet man bislan unsichtbare Zeugnisse beispielsweise an den Wänden. Die Renovierung bringt Zeitungsseiten zutage, mit denen die Tapete im Jahr 1938 unterklebt worden war. Was damals wohl über die Bürgerrechte in der "Kreiszeitung - Deutsche Dorfzeitung"  berichtet wurde? Heute finden auf dem Oarns Hoff Konzerte statt - die Scheinwerfer sind schon installiert (unten rechts)

In Sprötze schaffen es die Politiker, einen Dorfspaziergang abzuschließen, ohne auch nur einmal die umstrittene Hühnermastanlage zu erwähnen, den dazugehörigen Hofladen aber romantisierend zu präsentieren. Am Giebel des Hofes steht: "Treu den Sitten, treu dem Glauben unserer Ahnen schlicht und recht. Treu bewahren wir die Scholle für das kommende Geschlecht". Nicht nur die Baumstatue am Sprötzer Bahnhof hat da ein waches Auge auf das Geschehen...

Auf dem Gut Holm wurde die vierhundert Jahre alte Kapelle gerade saniert. Die Familie hat das Anwesen 1939 übernommen, früher war es ein Lehnsgut gewesen. Eine schöne location - auch für den Tatort mit Kommissarin Lindholm, wie man hört.

Diese drei Bilder berichten von Reindorf: dem kleinste Flecken, leider seit einigen Monaten um das schöne Gebäude der Gastwirtschaft Brunkhorst ärmer (es wurde "rückgebaut" - d.h. platt gemacht). Dort werden Einfamilienhäuser gebaut. Auch die Reindorfer wissen, was die Uhr geschlagen hat - wenngleich die eindrucksvollsten öffentlichen Uhren in Dibbersen und auf Gut Holm zu entdecken waren:


Sonnabend, 19. Juli 2014 - Italien, vierter Teil - Venedig

 

Wann kennt man Venedig? im letzten und in diesem Jahr sind wir ganze vier Tage in Venedig herumgelaufen. Das ist wenig. Das ist viel. Ich kann das gar nicht entscheiden. Wir haben den Touristenhighway vom Piazzale Roma über Rialto zum Markus-Platz mit tausenden geteilt. Wir haben  völlig allein vor San Nicolo dei Mendicoli in Dorsoduro gesessen. Wir waren die einzigen Touristen im Parco Groggia, einem grünen Flecken im Stadtteil Cannaregio. Wir haben den Supermarkt Billa am Ende der Fondamente Zattere entdeckt, gegenüber der alten Nudelfarbrik Mulino Stucky, die heute Fünfsterne-Hotel ist. Wir haben Murano von hinten gesehen, darüber wird noch zu berichten sein. Kennt man Venedig, wenn man einen Winter über dort gewohnt hat? Oder wenn man dort gestorben ist? Wer kann das schon beurteilen. Wir kennen es jetzt jedenfalls gut genug um zu sagen: Man soll Venedig kennen lernen. Auf jeden Fall. Und mindestens vier Tage lang herumlaufen, und Vaporetto fahren. Vor allem das. Vaporetto fahren ist genial (und teuer). Aber wenn man sich ein paar belegte Brote für den Tag mitnimmt, gleicht sich das schon aus.

Campo Santa Margherita (oben links) ist ein lebe rechtsndiges Zentrum des Universitätsviertels. Fischhändler bedienen Venezianer. Ein Stückchen weiter ist die angeblich einzige Brücke Venedigs, die kein Geländer hat - aber in Cannaregio gibt es zumindest noch eine weitere (siehe unten rechts), und wahrscheinlich noch mehr, man verliert da leicht den Überblick.


Mittwoch, 16. Juli 2014 - Italiens dritter Teil - Bauernhäuser (und solche, die es mal waren)

 

Besonders angetan hatten es uns Bauernhäuser mit den großen Rundbögen, die bei älteren Bauten unversperrt in die Scheune führten und heute meist mit mehr oder weniger formschönen Türen versehen sind. Oder sie sin d zugemauert (wie in dem Haus oben, das übrigens zum Verkauf steht, in Ortsrandlage bei dem Städtchen Adria...). Viele Gehöfte und Häuser sind verfallen, Ruinen mitten im Feld.

Schöne Perspektiven finden wir immer von den Flussdeichen ins Land hinein - man muss nur ein bisschen planen, wann die Sonne richtig steht (auf einigen Bildern ist auch zu erkennen, dass sie manchmal auch gar nicht schien, ganz im Gegenteil...). Den alten Gutshof mit seinen beiden großen Rundbögen finden wir mitten in einem Gewitterschauer, ich habe schon lange nicht mehr solche nassen Füße in Wanderstiefeln gehabt. Innen war das Gebäude weitgehend zusammengestürzt, so dass man die Treppe nach wenigen Stufen dann lieber nicht weiter belästigte. Aber es gab auch die sanierte Scheune miot Sonnenkollektoren.

Einen Bauernhof haben wir besucht, wurden über die Melonenfelder geführt und lernten den Unterschied zwischen runden und länglichen Auberginen kennen. Die "Fattoria Zago" war ein kleiner Familienbetrieb mit Hofverkauf. Die kleinen Roma-Tomaten waren klasse. Die kleinen Anblicke auch.


Sonnabend, 12. Juli 2014 -Italiens zweiter Teil - Verkehrsspiegel


Ist es empirisch nachweisbar, dass in Italien wesentlich mehr Verkehrsspiegel angebracht sind als bei uns in Norddeutschland? Liegt es daran, dass in den übersichtlichen Weiten unserer Tiefebene alles gut einzusehen , in den winkligen südlichen Landstrichen aber alles enger und unübersichtlicher ist? Wie in der Politik? Auf jeden Fall ermöglichen  die zum Teil stark verzerrenden Spiegel einen interessanten Blick beispielsweise auf Padua (oben), der sogar dem knatschblauen Hochhaus einen gewissen Reiz verleiht. Unten Spiegel auf Pellestrina, der langgestreckten, schmalen Insel vor der Venezianischen Lagune, der Verlängerung des Lido; dann Venedig selbst und zum Schluss noch einmal die Altstadt von Padua.


Freitag, 11. Juli 2014 - Zurück aus Italien

Erster Bericht: Die alte Zuckerfabrik


Mit dem Bus zurück von einer kleinen Schiffsfahrt zur Mündung des Po kamen wir durch Ca' Venier, einen 200-Seelen-Weiler mitten im Delta. Seit 1600 ungefähr ist die Gegend besiedelt, der Po hatte mit seinen Schwemmsänden neue Inseln entstehen lassen und das ursprünglich namenspendende Adria weit ins Binnenland gerückt, da siedelten sich hier Fischer und Bauern an. Später wurde es eine fruchtbare Ackerbaulandschaft hier, und es entstanden Fabriken zur Verarbeitung des Gemüses. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde in Ca' Venier die Zuckerproduktion industrialisiert. Zuckerrüben gab es in Fülle, und der Capuccino wollte gesüßt sein. In der Mitte des Jahrhunderts gab es hier eine schmucke Fabrik, die aber in den siebziger Jahgren stillgelegt wurde - ein Neubau entstand näher an den Verkehrswegen, aber mittlerweile ist auch der schon wieder stillgelegt.

 

Ich fahre am nächsten Tag zurück nach Ca'Venier, um die Fabrik zu erkunden. Der Zaun ist stabil und noch nicht alt, nicht umsonst gibt es in einer Bildergalerie im Internet nur Bilder von jenserits des Zauns. Aber als ich schon fast aufgeben will und mich nur noch durch ein mittelpieksiges Brombeergebüsch schlage, ist der Zaun urplötzlich zuende, und ich bin drin.

 

Das Gebäude war sichtlich wohlproportioniert und hatte stilsicher eingepasste Fenster, durch die sich jetzt noch prima blicken lässt - prima auch für mein Formgefühl. Allerdings wachsen viele Büsche in Räumen, die nicht dafür geplant waren.

Und in der Haupthalle lagern einige Tonnen Riesenkanister mit Isocyanat - das ist verwandt mit einigen sehr giftigen Stoffen (Methylisocyanat war das Gas, das in Bhopal in den achtziger Jahren ausgetreten war und tausende von Menschenleben kostete). Der Wind pfeift durch die Halle, das Dach bricht zusammen, hoffentlich ist diese Flüssigkeit hier nur für Pestizide gedacht und nicht ganz so giftig...Im Keller darunter liegt eine spiegelglatte Fläche, stumpf grau, sieht aus wie ein Estrichboden. Im letzten Moment sehe ich die Stühle, die darin eingesunken sind - das scheint Wasser zu sein (Wasser?? Was für Wasser?) und ich probiere lieber nicht aus, wie flüssig das ist. Ich fühle mich wie Gandalf und die Gefährten vor den Toren von Moria, als aus den Tiefen des Teiches ein uraltes Geschöpf seine Fangarme... nee, lieber wieder auf den Hof.

Ein anderes Gebäude in Ca'Venier steht auch leer, im ersten Stock ist ein mittelgroßer Saal, ich denke an eine Dorf-Disko der ersten Generation. Der Raum ist leer, nur ein paar Baseball-Poster asn den Wänden. Einzig Plastiktüten liegen in Mengen rum, so kleine Beutel mit Etiketten drin wie sie in Kleidungsstücken eingenäht sind: "100% Cotton", "Made in Italy", und Zahlen, die Größenangaben sein werden, 46 und 50 und so. Zu Tausenden. Die wurden hier wohl früher eingenäht, aber sicher nicht in Kleidungsstücke aus Italien, nicht hier im Delta des Po, wo weit und breit keine Textilindustrie ist. Wenn das man keine direkter Connection nach Bangladesh war. Etwas weiter ein neuer Versuch, Arbeit nach Polesiane zu bringen: das Kraftwerk von Porto Tolle. Urspürnglich gebaut und betrieben als ölbetriebenes Kraftwerk (eines der ganz großen in Europa) sollte es vor zehn Jahren umgerüstet werden auf Kohleverstromung (!!!). In Zeiten der Klimakatastrophe geht das nur, wenn das CO2 abgefangen wird, und in die Erde verpresst (CCS-Verfahren). In Niedersachsen zum Beispiel ist das verboten. In Italien hat der Staatsgerichtshof auch gesagt: Daraus wurde nichts. Nun steht die (Um-)Baustelle still und das Kraftwerk ist seit 2009 völlig kraftlos. Das Delta mit seinen Wasserflächen, Vogelkolonien und seiner üppigen Vegetation dankt.


Mittwoch, 28.5.14 bis Sonntag, 1.6.14

Kulturelle Landpartie

Wendland


Geweißte Ställe mit frischem Sandboden. Scheunen mit Geschmeide. Fachwerkstätten. Filzgewalkte Hüte für alle Königinnen der Herzen. Die Kulturelle Landpartie ist ein buntes, lebensfrohes und in vorpfingstliches Grün getauchtes Flächen-Event in einem stillen Winkel, der gern für alles herhält - nur nicht für Atommülll. Kunst gegen Fracking, handgemachte Musik für das Leben, esoterische Klänge für alles und jeden, es gibt was das Herz (Ohr) begehrt. Oben hängt ein Spiegel in einem Hutkämmerchen des Klanghofes in Göhr, wo es auch Sanzulas, Koras und Cosmic Bows gibt (alles so exotische Instrumente, mit denen man erstaunliche Klänge erzeugt, aber oft fragt man sich: wozu?).

Mein Blick fällt in den alten Saal des Heidegasthofes in Waddeweitz, der seit über hundert Jahren für Schützenefste und Hochzeiten genutzt wurde. "Jedes Dorf hat seinen Reiz, doch das schönste Dorf ist Waddeweitz" reimte einer auf einer Ansichtskarte des Dorfes, das in den sechziger Jahren als schönstes Dorf Niedersachsens ausgezeichnet worden sein soll. Doch das ruht mittlerweile tief in den Archiven, und der Heidegasthof steht leer. In der Küche stehen noch die Edelstahltöpfe, in denen die Hochzeitssuppe und die Pfannen, in denen die Heidschnuckenragouts kochten.

Gärten sind bunt, Landschaft ist grün, Stimmung ist rosig. Im Wendland sitzt es sich gut unter Holunderbüschen und Jasmin, und die Kastanien fallen einem ja erst im Herbst auf den Kopf. Bis dahin ist es noch eine Zeit hin, und so radeln wir weiter...


Donnerstag, 5. Juni 2014 - Memories of Mützingen


Zum fünften Mal beradeln wir die Kulturelle Landpartie. In diesem Jahr wieder mit Nobby und Claudia, und wieder auf dem Campingplatz in Bergen an der Dumme gelagert. In Mützingen wie immer ein hochkarätiges Konzertprogramm. Wir sind ganz hingerissen von "Iva Nova", der vierköpfigen russischen Rockband: vier Frauen mit solider Ausbildung (z.B. der Stimme und des Akkordeonspiels), aber auch mit einer ganz abgeklärten Präsenzt am Schlagzeug und am Bass. Der Sequencer stampft den Disco-artigen Rhythmus (den hatten sie auf den CDs der Jahre 2008 un d 2013 noch nicht), darüber liegt dann das kompülexe Geschehen der Stücke, in denen schon mal ein sieben/achtel-Takt mit einem vier/fünftel wechselt, geklatscht und gestampft, mit Vocoder verzerrt und doch nicht technisch überdreht, das passt alles, hat alles seinen Platz, woow.


Sonnabend, 17. Mai 2014 - Speicherplatz frei

Was jeden Computerbesitzer freut, ist in Magdeburg eher lästig. Einige der Speichergebäude im Handelshafen (heute: Wissenschaftshafen) stehen leer. Früher waren das Zuckerspeicher, mittlerweile ist das Quartier zum "Wissenschaftshafen" mutiert und es gab mal Pläne, Wohnungen in die alten Industriegebäude einzubauen. Aber das ist auch schon wieder ein paar Jahre her. In einer Halle scheint vor längerer Zeit zeitweise das Magdeburger Puppentheater untergekommen zu sein (Probebühne?), aber nun ist sie auch schon wieder seit Jahren ungenutzt. Die Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts sind in guter Verfassung, soweit ich das als Laie beurteilen kann. Na ja okay, die Elektrik müsste vielleicht mal überholt werden... Heizkörper gibt's auch keine mehr, aber das eine oder andere Waschbecken ist der Zerstörung entgangen.

Wenn man in dem Gebäude herumstromert (die Türen stehen alle offen), sieht man die Schaltzentrale mal von innen, dann von gegenüber die Außenansicht. Nur die Wendeltreppe in den Turm habe ich ausgelassen - vielleicht komme ich noch mal zurück, dann gibt es noch ein Ziel...

Ob das weiße Pulver vor dem Haus noch Reste des Zuckers beinhaltet? Ich hab's nicht probiert. Wenn das Wohnen und Arbeiten hier so anregend würde wie das Rumstromern mit der Knipse schon jetzt, dann hat das Ensemble Zukunft.

 

Ganz zum Schluss fiel mir noch ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten auf. Ein Sichtelement (heute würde man Pinwand sagen) trug nur noch wenige der Buchstaben in der Überschrift, aber man konnte noch erkennen, was da für Buchstaben gehangen hatten. Die Losung war:

"MIT DER KRAFT DER PARTEI FÜR DAS WOHL DES VOLKES"

Na denn man los.


Sonntag, 4. Mai 2014

Uff, gerade noch geschafft: die Schachbrettblumen fingen schon an zu schwächeln, aber noch waren sie bildschön und farbig, nicht braun und verblüht. Zwischen dem Maschener Verschiebebahnhof und der Elbeliegt das Naturschutzgebiet Seeveniederung. Das Heideflüsschen schickt sich an, in die Elbe zu münden. Die ausgebaggerten Seen rundherum stammen aus der Bauphase des Güterbahnhof-Molochs. Und mittendrin tausende und abertausende violetter und ein paar weißer Schachbrettblumen. Dazu Schwarzkehlchen und Kibitz, eine Schafherde und (ganz am Anfang, gleich vorne an) ein Fasan. Es soll da mal einen Steg über die Wiesen mit den geschützten Blumen gegeben haben, aber jetzt nicht, man muss durch den Zaun fotografieren ( wenn man denn brav "auf dem Weg" bleiben will...). Dran denken: Fernglas mitnehmen (und nicht wie wir zuhause vergessen), man kann bestimmt auch ganz schöne Radtouren hier machen.


 

Donnerstag, 24. April 2014 - Kurzurlaub um die Ecke


Eine Woche Osterurlaub am Salemer See, zwischen Schaalsee und Ratzeburg: sanfte Hügel, Rapsfelder blühen, Obstbäume tun es ihnen nach, Nach den Feiertagen ist der Campingplatz still - gestern Morgen hat Gerlinde sogar einen Seeadler auf einem Stück Totholz sitzen sehen, genau gegenüber, am anderen Seeufer, ungefähr hundert Meter entfernt. Kraniche haben wir gesehen, Moore durchquert (sofern man durfte), alte Kirchen besichtigt und Fischbrötchen gegessen. Kurz: eine abwechslunsgreiche Geschichte. Knapp eine Stunde Autofahrt von zuhause entfernt. Warum in die Ferne schweifen?

 

Oben übrigens das Woitendorfer Moor bei Gadebusch in Mecklenburg, da wird seit dem zweiten Weltkrieg Schwarztorf produziert - irgendwann wird hier wieder Moor sein, aber wann...untern asuch noch mal das Moor und nebenan fliegen Kraniche auf.

Manchmal kann man in die Werkstätten und Läden nur hineinschauen. Da ist viel Schatten, manchmal spiegelt sich was, und selten sieht man jemanden. Gearbeitet wird woanders. Unten der Frühstücksplatz der Tischler und Fachleute für Trockenausbau, die in Salem die Scheune neben dem Feuerwehrhaus sanieren. Daneben weitere sanierungsbedürftige oder einfach abgeschrabbelte Werkstätten, Kuhställe (aus alter LPG-Zeit) oder ein Blick ins Renaissance-Schloss von Gadebusch.

Das Schloss in Gadebusch war in der DDR-Zeit Internat. Jetzt versucht ein Stiftungsverein die Hoffnung hochzuhalten, aber eigentlich modert das ansprechende Gebäude nur vor sich hin. In einem Schuppen nicht weit entfernt lagert noch die Ausschilderung zure Kommunalwahl von 1984: im Mai jenes Jahres wurden in der DDR die Kommunalparlamente gewählt. Zur gleichen Zeit versuchten schon DDR-Bürger, durch Flucht in die westdeutsche Botschaft in Prag wegzukommen. Das ist dreißig Jahre her.Ein Hauch von Geschichte. Da liegen übrigens auch noch die alten Wahlurnen. Braucht die denn keiner mehr? Zumindest braucht man nicht mehr sehr viele, bei den letzten Kommunalwahlen gab es eine Wahlbeteiligung von 43% in Gadebusch. Wenn Wahlen etwas ändern würden, hätte man sie längst verboten...

Die dörfliche Lebenswelt, per Rad oder zu Fuß erobert, läd ein zum Sinnen, zu Kaffee und Kirsch-Crumble in der Heuherberge, oder einfach zum in-der-Sonne-sitzen mit Seeblick. Nicht bei jedem Objekt weiß man sicher: ist das Kunst oder kann das weg?  Der Musik der Biosphären lauschen, schließlich sind wir im Biosphärenreservat.


Frühling, sagt man (5./6. April 2014)

Wenn Besuch übers Wochenende da ist und der Besuch ist elf, dann macht man Ausflüge (egal, wie das Wetter ist) in den Wildpark Schwarze Berge und das Museumsdorf Kiekeberg. Und so bekommt man neben den Anregungen durch intensives Ligretto- und Scrabble-Spiel auch noch Sauerstoff in die Lungen. Die ersten drei Bilder unten in der Galerie sind vom Elbblick-Turm aus geknipst - Elbe ham wa nich gesehen, aber die Barock-Esel (austrian ass engl.) auf der Weide sehen gut aus.


Sommerreifen

Mittwoch, 12.2.14

 

Unser Freund hat seit über zwanzig Jahren unsere Autos besorgt, repariert, gewartet und uns aus mancher Patsche befreit, wenn mal ein Wagen nicht ansprang oder zerbeult war. Nun ist unser Freund Andreas auch gestorben, wie der andere Freund, von dem wir uns vor fünf Tagen verabschiedet haben. Zum letzten Mal fahren wir nach Helvesiek, wio seine Werkstatt ist (war) - wir müssen zwei Sätze Sommerreifen abholen, die dort gelagert waren und im April umgeschraubt werden müssen.  Wie oft bin ich nicht durch Helvesiek spaziert, mit Kamera und Stativ, wenn die Inspektion nur eine halbe Stunde dauern würde. Erstmals aber sehe ich jetzt diese alte Werkstatt, bei Andreas um die Ecke, war wohl mal ein Klempner oder so, mit dem backsteinroten Wohnhaus, das langsam zusammenfällt. Alles auf Untergang...Letzte Fotos, Wehmut. Tschüs Andreas.


 Mittwoch, 5. Februar 2014

 

Zwischen Bendestorf und Jesteburg liegt der Lohof, und auf der anderen Straßenseite der Ruheforst. Da kann man sich im Wald bestatten lassen und vorher aussuchen, unter welchem Baum man liegen möchte. Der Baum oben allerdings (der locker Platz für eine Großfamilie in seinem Wurzelschutz bieten würde) steht nicht direkt im Ruheforst, da stehen mehr Buchen und Nadelbäume. Diese Eiche steht am Kaminholzplatz des Lohofs.Und ein echter Ruheforst ist es irgendwie auch nicht - dazu ist die Straße zwischen Jesteburg und Bendestorf zu laut, zu viel Verkehr, und sie führt zu direkt an dem Wald vorbei. Zu zu zu.

Der Wald wirkt trotzdem friedlich (es ist ja keine Audioaufzeichnung hier). Gegenüber ist, wie gesagt, der Lohof und zerhackt Bäume zu Kaminholz. Waldfrieden und Wald zerhacken, so dicht liegt das beieinander. Und nebenan wird ein alter Speicher renoviert, da wo der Märchenpfad in den Wald führt, mit Esel und mit Schlange und einem Schatz, aber das ist eine andere Geschichte.


4. Januar 2014

Spaziergang im neuen Jahr: Travemünde

 

Immer noch weihnachtlich milde, immer noch neun Grad, heute sogar mit Sonne. Das neue Jahr verwöhnt uns. Am Sandstrand vor der Altstadt von Travemünde und dem neuen Tourismusdorf (Spiegelung siehe unten), im Schatten des 32 Stockwerk hohen Schandflecks namens Maritim, freuen sich Hunde und Menschen über einen Spaziergang in die Natur: am Brodtener Ufer wird es immer unbequemer, die Natur hat ein paar Bäume quer über den Strand gelegt und zwingt zum Klettern.

Die Seebrücke ist von Bohlen befreit, also muss man balancieren (wozu keiner der anwesenden Hunde den Mut aufbringt). Das  Collosseum (Bild oben) war zunächst eine Gaststätte, später ein kleines Kino ("Film-Eck"). Hier tagten früher die Sozialdemokraten, während die Konservativen sich in einem Hotel trafen. Heute essen die Sozis ihren Grünkohl im Gesellschaftshaus ein paar hundert Meter weiter, in demselben Gebäude findet sich auch das Seebadmuseum. Derweil steht das Colosseum leer. Gehen die Sozis eben ins Museum. The times they are a'changin...