Überblick 2015:

USA (13.12. Death Valley / 27.11. / 19.10. Telegraph Cove (Vancouver Island)/ 12.11. Seelöwen / 5.11. Antelope Canyon                                             4.11. / 25.10. Bryce Canyon / 21.10. Tiere / 13.10. Valley Of Fire

Künstler des Als-Ob (20. August )

Schanzen-Street (12. August)

Völklingen: Rost und Art (16. Juli, 7. Juli)

Justizvollzugskunst in Magdeburg (12. Juni)

Ringlokschuppen: Wilhelmsburg (19. Mai) Buchholz (7. Mai)

Kaserne Brandenburg (25. April)

Gut Neukladow (18. April)

New-York Hamburger Gummiwaaren Compagnie (28. Februar)

 


Bis Silvester sind noch fünf Tage, aber es geht ja schon jetzt, alles Gute für den Übergang ins Neue Jahr zu wünschen. Vielen Dank für das Interesse am BilderBlog, falls noch nicht geschehen, lest bitte gern auch die Texte auf engelmannsnotizen.jimdo.com, zuletzt der ausführliche Reisebericht aus den USA im Herbst 2015.  Dieses Jahr sind im BilderBlog 2015 ungefähr 230 Fotos zu sehen. Das sind nur wenige mehr als im letzten Jahr. Scheint sich so einzupendeln: ca. 230 interessante Bilder im Jahr. Das sind fast 20 im Monat. Fünf pro Woche. Fast jeden Tag eines. Auf ein gutes Neues!


Sonntag, 13. Dezember 2015

Das Tal des Todes

Es war  ja schon Anfang Oktober, deshalb blieb es mit vierzig Grad etwas kühl im Death Valley. Wir haben uns wirklich bemüht, schöne Blicke und schöne Ein- drücke zu sammeln, aber ins- gesamt fühlten wir uns rund- herum unpassend. Wir Menschen haben  in dieser unwirtlichen Fels- andschaft nichts verloren. Es sei denn, das Geld lockt: ab 1870 der Boraxabbau, der zeitweise lukra- tiver war als Gold- und Silbersuche, in Antonionis Film "Zabriskie Point" die undurchsichtigen Geschäfte des Chefs der Hauptdarstellerin, dessen Wüsten-Villa dann auch prompt explodiert. Oder aktuell die Vermietung von vierradbetriebenen Jeeps, aber die Vermietungsstation war vor ein, zwei Jahren abgebrannt. Blieb mir nur der Foto-Schuss durch die Fensterhöhle auf das Schild "Death Valley Gateway".  Faszinierend war das Licht, trotz eher trüber Witterung klar und scharfkantig, am nächsten Tag mit den weiße Scherenschnittkonturen der Sierra Nevada sonnig und mit bizarren Cirruswolken (unten rechts: Lone Pine). Fotografenlicht, aber ein Amateur wie ich merkt das eigentlich erst beim Bearbeiten der Bilder, sonst hätte ich mehr davon profitiert...Vielleicht war auch das Licht einer der Gründe, weswegen in und um Lone Pine  und in den Alabama Hills (dem örtlichen Abschnitt der Sierra Nevada) Western ohne Ende gedreht wurden, ganz am Anfang mit Tom Mix (zwanziger Jahre) oder später John Wayne, und dann auch  mit Steve McQueen und Clint Eastwood und all den anderen. War aber gerade keiner mehr da.


Freitag, 27. November 2015

Airports

Flughafen sind ein bisschen wie Austern: außenrum richtig hässlich, aber innen drin gibt es Leckerbissen und wenn man ganz großes Glück hat auch Perlen. Allerdings sind die Airport-Perlen heutzutage in der Regel LED-erleuchtet, animiert und die Leckerbissen bis auf ein paar Angeber-Spots mit Hummer und Kaviar dann doch auch von der Stange. Im Charles de Gaulle, einem der Pariser Flughäfen, gibt es auch ein Eckchen für Kultur, da steht eine Büste von Rodin im Schaufenster und ein Bild von Manet hängt da auch, alles Leihgaben aus den Pariser Kunsthallen. Zwischen der Rolex-Dependance und dem Prada-Shop wirkt das wie eine Alibi-Veranstaltung, aber ein nettes Alibi. In Los Angeles, wo wir Stunden in dem drittklassigen Wartebereich vor Kofferabgabe und Sicherheits-Check warteten, lockte dann der Duty-Free-Bereich mit außerordentlichen Video-Installationen und farbenfrohen LED-Bildschirmen. Als wir reinkamen, wurde die Bildsäule gerade animiert mit einem extra für dieses Format gedrehten Slapstick-Remake: Der Liebhaber turnt außen an der Fassade, die gerade so breit und so fünf-Stockerk-hoch ist wie die Säule, wird verfolgt, landet im falschen Stockwerk und so weiter. Dann wieder Hermes und Chanel. Linda hat einen Weißkopfadler als Kuscheltier gekauft. Der kann jetzt zuhause mit dem One-Hump-Camel aus Dubai und mit Mumin und Pu schmusen. Integration pur.

In Schwarz-Weiß ein Formenspiel, das völlig abstrakt bleibt: Im Charles de Gaulle Airport gibt es große Bildrahmen mit Luftblaseninstrallationen drin. Der Rahmen aus Chrom spiegelt und verwinkelt Fäden und Lichter. Sinnlos wie alle Ästhetik.


Donnerstag, 19.November 2015: Der alte Dodge in Telegraph Cove (Vancouver Island, Canada) dürfte aus der zweiten Hälfte der 40er Jahre stammen. Damals waren die Scheinwerfer noch aufgeschraubt, ab Anfang der fünfziger wurden sie dann in den Kotflügel integriert. Ob die alte Rostlaube eine US-Produktion ist oder im Kontext des Commonwealth aus England in die kanadischen Kolonien gelangte, kann ich nicht klären. Jedenfalls wurden seit den dreißiger Jahren Dodge-Wagen auch in Kew (Großbritannien) gefertigt. Der "Kew Dodge" in den fünfziger Jahren hatte wegen seiner kurzen Schnauze (Schnabel?) den Spitznamen "Parrot". Der Wagen hier steht ungefähr ebenso lange am kleinen Hafen von Telegraf Cove wie die Holzhäuser drumherum.


Donnerstag, 12. November 2015:                       Die wohl berühmtesten Seelöwen der USA leben mitten in San Francisco. Am Pier 39, neben dem Touristen-Treff Fisherman's Warf treffen sich die Seelöwen. Sie lieben es ebenso gedrängelt wie die Touristen. Und genauso wie diese unternehmen sie manchmal gänzlich unerwartet Wanderungen zu neuen Zielen. Aber sie sind immer wiedere zurückgekehrt, die Seelöwen. Zuletzt vor einem Jahr, als sie zwei M;onate weg waren und lieber weiter nördlich Sardinen jagten. Dabei war ihnen der Aufenthalt an Pier 39 so gemütlich wie möglich gemacht worden. Nachdem sie dort Ende der achtziger Jahre erstmals gelagert hatten, baute man ihnen völlig neue Holzpontons - der alte Steg hatte dem Gewicht von zeitweise an die 1000 Tieren, die jedes bis zu 450 kg wiegen, nicht standgehalten. Die Beschäftigung der Seelöwen beschränkt sich darauf, sich hin und wieder zu räkeln oder gar umzudrehen, sich in größeren Abständen mal aufzurichten und mit einem eher unschönen Bellen darauf hinzuweisen, dass sie nach wie vor da sind, und dann wieder zusammen zu sinken.


Donnerstag, 5. Oktober 2015: Zum Antelope Canyon muss man Gedichte schreiben, Sinfonien komponieren, oder einfach schweigen. Gene, unsere Navajo-Guide, hat eine handgeschnitzte Flöte gespielt, als wir wieder oben waren. Das war angemessen. Mir bleibt hier nichts weiter, als ein paar Impressionen  dieses Felsballetts zu zeigen.  Es gibt farbgesättigtere Aufnahmen aus dem Antelope Canyon. Das liegt daran, dass da dieSonne schien - wir waren bei bedecktem Himmel unterwegs. Ich werde aber auch den Verdacht nicht los, dass es immer wieder mal ein leichtes Zucken an den Fingern gibt, die dicht am Sättigungsregler der Bildbearbeitung ruhen...

Auf dem Bild unten rechts sieht man den Slot-Canyon ("Schlitz-Schlucht", passt doch, oder?) von oben. Man kann rüberspringen, so schmal ist der Schlitz. Kein Wunder, dass die Antilopen auf der Flucht vor den Navajo-Jägern da immer wieder mal reingefallen sind, weil sie in der Hektik nicht richtig aufgepasst haben.


Mittwoch, 04. November 2015: USA, untypisch

Normalerweise sucht man nach dem Urlaub die typischsten Bilder raus, die am deutlichsten zeigen, was am Urlaubsort beeindruckt hat oder charakteristisch war. Beim  Durchgehen meiner Bilder finde ich welche, die davon auch was haben - aber eigentlich sieht man auf vielen gar nicht so recht was, oder zumindest kann man es nicht verstehen oder zuordnen, und doch gefallen sie mir gut. Gute Urlaubsfotos. Nur keine Postkartenmotive, eher Ahnungen oder Schwingungen. Good Vibrations, um es mit den Beach Boys zu sagen: oooohh, I hear the sound of a gentle word / On the wind that lifts her perfume through the air...

oben: Hochzeitsbilder aus dem Valley of Fire scheinen für Las Vegas ein must sein. Die Hinterköpfe vom "Hardly Strictly Bluegrass"-Festival in San Francisco sprechen Bände. Das gewölbte Plastik-Fenster der Dorfbücherei von Tofino (Vancouver Island) spiegelt den Sund.

unten: Und manchmal ist gar nicht das auf dem Foto, was der Fotograf eigentlich im Auge hatte, und das ist dann am spannendsten, weil es sogar für den Fotografen eine Neuigkeit ist. Übrigens: Was "HNO" auf dem Boardwalk von Pismo Beach heißen soll, habe ich nicht herausgefunden. "Hals Nasen Ohren" macht irgendwie wenig Sinn. Bessere Ideen? Ich bin gespannt.


Sonntag, 25. Oktober 2015: Highlights, erster Teil Manchmal sah es im Bryce National Park in Utah so aus, als blicke man auf eine alte Fantasy-Stadt aus dem "Herrn der Ringe" oder so. Die Regelmäßigkeit der Säulengalerien wirkte wie ein architektonisches Stilmittel. Und wie in einem Häusermeer, in dem sich in der gemeinsamen Struktur unzählige Details finden, und letztendlich ist keine Säule genauso wie die andere, so gab es auch hier Variationen ohne Ende. Jedesmal dachte man, das habe ich noch nie gesehen hier, und wenn man das zum fünfzigsten Male dachte, dann stimmte es doch auch immer noch, es gab immer wieder Neues.


Mittwoch, 21. Oktober 2015: Tiere sind gar nicht so leicht zu fotografieren...

Wir haben auf unserer Reise viele Tiere gesehen. Viele habe ich versucht zu fotografieren. Vögel sind ja am nettesten zum Fotografen, wenn sie sich irgendwo hinsetzen und sich nicht rühren. Als dieser Adler hier einen Fisch hingeworfen kriegte, ging aber alles so schnell, dass er fast schon wieder aus dem Bild war, ehe ich den Auslöser betätigt hatte. Die Orcas blieben so konsequent unter Wasser, dass wir nicht mehr als die Finne zu sehen kriegten - kein ergiebiges Fotomotiv.  Festzuhalten bleibt: wir haben mehr gesehen, als festgehalten wurde. Hier ein kleiner Ausschnitt :


Dienstag, 13. Oktober  2015: Valley of Fire

Hier gibt es nun in lockerer (nicht chronologischer) Reihenfolge ein paar Bilderbögen von unserer Reise durch Canada und die USA. Es fängt an mit unserer Einführung in die Felslandschaft des Südwestens: Wir waren zuerst im Valley of Fire, und da haben wir schon sehr vieles von dem gesehen, was uns auch im weiteren Verlauf beeindruckt hat. Manchmal war es später noch größer, höher, wilder - aber als erster Schritt war es für uns genau die richtige Größenordnung. Und die "Fire Wave" s. oben) war echt ein Hit, nicht so überlaufen wier befürchtet (mehr als sechs, acht Leute haben wir bei den wiederholten Besuchen zur Zeit des Sonnenauf- sowie untergangs nicht angetroffen). Die Bilder folgen dem Tagesablauf, es fängt kurz vor Sonnenaufgang an und endet mit dem letzten Sonnenlicht.

Die grünen Stein- und Sandschichten (unten Mitte) konten wir uns nicht wirklich erklären. Es war die Rede von zwei- und dreiwertigen Eisenoxyden, ich hatte auf Kupfer getippt (es sah doch aus wie Grünspan!), vielleicht waren es Sulfate, auf jeden Fall waren es  keine Chemieabfälle, die da jemand hingekippt hatte (obwohl es wirklich nach so etwas aussah).

(ein ausführlicherer Reisebericht steht auf meiner Texte-Homepage http://engelmannsnotizen.jimdo.com/usa-2015/

und ist mittlerweile abgeschlossen)


Sonnabend, 5. September 2015: Alte Plätze neu besucht

Die alte Böttcherei in Langenrehm ist jetzt Teil des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Das Wohnhaus ist saniert und lackiert, nur der alte Herd steht noch in der Küche, und die Margeriten spiegeln sich im Küchenfenster. Die Werkstatt ist noch genauso unaufgeräumt wie immer in den letzten Jahren, wenn ich mal wieder vorbeigeguckt habe. 

Außerdem war ich noch mal in dem alten Stallgebäude, wo das Wohnhaus mittlerweile völlig zusammen gestürzt ist und in dem sechziger-Jahre-Stall alles Kreaut und Rüben wie eh und je, nur die Äste schlugen stä#rker gegen das Dach wegen dem Wind und die Türe knarzte hin und her, das Haus lebte. Drumherum war es eingewachsen wie Dornröschens Schloss, aber mit mehr Brombeeren und Brennesseln, und die Prinzessin war weg.


Donnerstag, 20. August 2015: Ein Künstler des Als-Ob

Der Künstler Timm Ulrichs stellt im Kunsttempel von Bossard in Jesteburg aus (zu Bossard siehe auch posts am 7. und 22.November im BilderBlog 2012). Ulrichs Objekte, die über das ganze Gelände verstreut sind, sind Kunstwerke des Als-Ob. Ich kenne das Als-Ob aus der Mentalisierungstheorie: Entwicklungspsychologisch durchlaufen wir verschiedene Stadien der Wahr-nehmungs-Struktur. Dazu gehören Äquivalenzmodus und Als-Ob-Modus. Während im Äquivalenzmodus alles sich gegenseitig durchdringt und angleicht (die ganze Welt ist rosarot), teilt der Als-Ob-Modus meine eigene von der restlichen Welt: Als kleiner Junge spiele ich, dass dieser Stuhl eine Planierraupe ist, und schon schiebt er/sie los und macht alles platt (zumindest im Spiel). Ulrichs stellt nicht "originale" und "reale" Kunst aus, sondern er macht Kunst aus etwas, was für etwas Anderes steht: Die Musterfassade für das Sprengel-Museum in Hannover tut nur so, als wäre sie eine Fassade, ist aber nur ein Muster (ohne Wert?), an dem sich spärer Regressforderungen festmachen lassen, wenn die "echte" Fassade des neuen Kunstmuseums nicht so wird wie bestellt (mit den für den Transport nach Jesteburg reingebohrten Löchern sieht sie im Übrigen aus wie ein Verwandter von "Bernd das Brot"). Die Denkmalsverkleidungen des Standbildes aus der hannoverschen Eilenriede, das die Prinzessinen Luise und Frederike darstellt, sind der Holzverschlag, mit dem das Denkmal im Winter gegen Frost geschützt wird. Sie stehen für das Denkmal, sind eine Art trojanischer Stellvertreter. Die Holzverschalung um den Renault R4 (Bild oben) tut so, als wenn der kleine Kultwagen ein Denkmal wäre, das wie die Frederiken-Luisenverschalung dem Schutz dient. Es ist aber nur so, als ob es ein Als-Ob wäre (doppelte Spiegelung). Die Mauer aus dem Reitparcours ist wie der Stangen-Ochser keine echte Mauer, sondern stellt im Springwettbewerb ein mauerartiges Hindernis dar. In echt ist es aus Spanplatte und kippt um, wenn man gegenläuft. Eine Ansammlung von hundert Bäumen tut so, als ob sie deutscher Wald par excellence wäre: der Anteil verschiedener Hölzer entspricht dem statistischen Anteil eben dieser Hölzer in den deutschen Wäldern (Waldstatistik der Bundesregierung).

Man könnte einwenden, das sind Gedankenspiele und keine Kunst. Man könnte es aber auch lassen. Die Ästhetik ist keine sichtbare, aber neue Sichtweisen entstehen allemal. Schön ist immer, wenn man Kunst nicht erklären muss (ich kenne das von Fotos: ein gutes Foto braucht keinen Text). Diese Objekte sind schon auf die Erläuterung des Hintergrundes angewiesen, sonst verbreiten sie Ratlosigkeit. Einige sind näher an sinnlicher Erfahrung als andere, die Silhouetten von Greifvögeln als braune Verfärbung des Rasens beeindrucken direkter als die gelben Kaskadenleuchten auf dem Rasen (der Lichtblitz durchrast die ungefähr zwanzig Leuchten im Tempo der Erdumdrehung...). Dieses Als-Ob ist aber auf sicher erheblich sinnfälliger als die Theorie der Mentalisierungskonzepte. Dafür Dank dem Künstler.

Bilder unten: Die Bossard-Kunststätte bildet den kontrastierenden Rahmen für die intellektuelle Kunst des Tim Ulrichs (hier im Bild mit seinem Freund Lienhard von Monkiewitsch aus Braunschweig). Bossards Expressionismus beeindruckt durch weitsichtige Formexperimente, macht vorsichtig-nachdenklich durch seine esoterisch-völkisch anmutenden Schwebungen.


Mittwoch, 12.August 2015 Street life - Schanze revisited

Vor Jahren bin ich hier alle vierzehn Tage lang gelaufen, jobhalber. Ich dachte, ich hab alles abgegrast, was hier an street art zu finden ist. Jetzt bin ich wieder mal hier, und es gibt viel Neues. Die Straße lebt. Und dazwischen die ruhigsten, idyllischsten Innenhöfe, Gärtchen, kleinen Parks, Die Gärten träumen...

Und schöne Grüße an den netten Verkäufer bei Asia Sports - Danke für die gute Beratung!


16. Juli 2015 - Licht und Schatten als Kulturgut

In der Völklinger Hütte warten einhundertzwanzig Jahre Industriekultur auf den Besucher. Seit dreißig Jahren wird hier gerastet. Aber nicht nur Rost in allen Abstufungen umgibt uns: in der gleißenden Hochsommersonne liegen überall Schatten, und Licht-Schatten-Spiele flirren in hartem Kontrast. Wir müssen wie alle Besucher einen Schutzhedlm tragen, nicht aus Stahl (wie die Weltkrieg-Eins-Helme, die fast ausschließlich hier in Völklingen hergestellt worden sind). Schutzhelme gab es für die Arbeiter erst in den letzten Jahrzehnten der Produktion, vorher trugen sie Filzhüte, die wurden von Staub, Hitze, Schweiß und anderen Zutaten auch irgendwann steinhart. Irgendwann gab's auch Atemschgutzmasken in bestimmten Sektionen, weil man langsam zugeben musste,.dass die Ausgasungen der Kohle- und Stahl-Massen hochgiftig waren. Und nun steht das Werk still - nur Licht und Schatten bleiben.


Dienstag, 7.7.2015 - Urban Art, Völklinger Hütte

In dem seit 30 Jahren still stehenden Stahlwerk der Röchling-Familie, zeitweise eine der größten Stahlschmieden Deutschlands, gibt es eine Ausstellung mit Werken, die aus dem Genre der Street Art stammen, aber auch irgendwie schon da rauswachsen (zumindest einige). Die Schnittstellen zwischen Kunst und Straße verschwimmen , OpArt der sechziger Jahre taucht auf und der Farbauftrag aus der Spraydose ist vielfach so fein, dass man es auch für Pinselzeichnung halten könnte. Vor allem das Wechselspiel zwischen den Bildern und dem Kontext macht das Ganze zur Kunst: Hier in der "Möllerhalle" (so hieß dieser Teil der Fabrik) hängen die teilweise fast schon zu "feinen" Bildern in der richtigen Umgebung, rough and tough, schmutzig im wahrsten Sinne des Wortes.

Spannend ist es besonders auch draußen im Gelände, wo noch ein Dutzend Objekte und Projekte verteilt sind - unter anderem im "Paradies", dem Geländeteil, in dem alles wuchern darf wie es will, sogar die Kunst.


Montag, 22.Juni 2015: Neulich bei Olympus

In der Lagerhalle hinter der Oberhafenkantine hat Olympus bei der Foto-Triennale eine location aufgebaut, die es in sich hat: Am Eingang kriegt jeder eine Olympus  OMD ausgehändigt und kann hinterhjer die Speicherkarte mit seinen Fotos mit nach Hause nehmen (s. hier), und drinnen gibt es eine krasse Lichtinstallation mit vier Beamern und fettem Soundeffekt, die zunächst einen totalen "woooaahh"-Effekt hervorruft. Wenn man dann alles ein bisschen besser durchschaut hat, wird es etwas normaler, aber doch gut, und für den Normal-Auslöser prächtig knipsbar.


12. Juni 2015 : Alte JVA Magdeburg - Neue Sinnlickeit

In der JVA in Magdeburg saßen sie b is 2013 dein, die Totschläger und die Heiratsschwindler, Schwarzfahrer und Kleindealer.  Zweimal im Monat eine Stunde Besuch, einhundertzehn Jahre alte Mauern und die Zellentü+ren so, wie man sich den Kerker vorstellt. Eine "transportumlaufende Behörde" war die JVA (unter anderem), hier wurden auch Gefangene untergebracht, die nur ein paar Tage saßen oder auf den Weitertranspüort in eine andere Haftanstalt warteten. 2013 war es soweit. Die neue Alternative im Provinzstädtchen Burg war in privat-öfffentlicher Partnerschaft (PPP = private punblic partnership) chic aufgebaut und der Magdeburger Knast wurde geschlossen. Jetzt ist er wieder offen: Künstler haben unter der Überschrift Sinnlichkeit"  für drei Monate von dem Komplex Besitz ergriffen. Jede Zelle hat ein anderer Künstler gestaltet, mal erschreckend oder bedrückend, mikt dem Raum spielend, ihn ernst nehmend - mal als Hängeplatz für die eigednen Bilder oder Fotos, die schon immer mal an die Öffentlichkeit sollten und hier eigentlich mehr oder weniger unpassend wirken, aber was passt hier schon?

 

"Absolutes Dreckloch. Saß bis heute in Haus 2 in einer Einzelzelle. Völlig veraltet und verkeimt. Letztes mal gestrichen um 1997 da von dort noch Autogramme da waren." schreibt einer von seinen Erfahjrungen im Magdeburger Knast im Internet. Ansonsten ist die JVA nicht viel Öffentlichkeitsarbeit wert gewesen. Von Dreharbeiten für einen Krimi mit Jürgen Vogel wird berichtet, und von einer schnell beendeten Geiselnahme, die ein kleines Streiflichtr auf den Knastalltag wirft: "Die gemeinsame Unterbringung eines mutmaßlichen Totschlägers mit einem zu einer Geldstrafe Verurteilten sei «nicht üblich, aber auch nicht abwegig», erklärt die Anstaltsleitung.

Wo Künstler sind und leere Wände, da sind die Sprayer nicht weit. Wandkunst in der JVA: das ist aber nicht nur Sprayen, sondern das kann auch ein Bild sein, das an der Wand hängt - und mit dem Sonnenstrahl durchs Zellenfenster eine interesasante Erweiterung erfährt.


Ringlokschuppen Dienstag, 19.Mai 2015

In Hamburg ist natürlich alles ein bisschen größer als in Buchholz. Aber irgendwie auch noch ein bisschen kaputter: Der Ringlokschuppen in Wilhelmsburg fasste sicher fünfmal so viele Loks wie der in Buchholz. Dafür sind alle Gleise auch schon weg, die meisten Schuppen bis auf ein paar Träger (die rumstehen wie die Säulen auf dem forum romanum in Rom) ebenso, und die Drehscheibe ist komplett weg - bis auf die Betongrube, die jetzt Teich ist. Sprayer wurden gerade vor kurzem daran gehindert, das Dach des letzten Schuppens weiter zu verschönern. Lieber reißen sie alles ab, die Bagger sind schon bis auf wenige Meter herangekommen. Warum hat man bei der Gartenschau denn hier keine Industriedenkmalparkanlage gestaltet? Ein tolles Ensemble, aber leider offensichtlich existenzbedroht.


7. Mai 2015 - Beim alten Lokschuppen

Den alten Buchholzer Lokschuppen mit der Drehscheibe und der Buchholzer Außenstelle des Bildungszentrums für StreetArt und angewandte Wandmalerei "Das Haus"  besuche ich regelmäßig seit sechs, sieben Jahren immer wieder und begleite das Ensemble in seiner Agonie. Jedes Mal ist dewr Boden des kleinen Führerhäuschens an der Drehscheibe weiter weggerostet, Jedes Mal sind ein paar Butzenscheriben weniger in dem Schuppen, der als Werkstatt und Lager genutzt wird, und sind durch Holzfaserplatten ersetzt. Wenn sich nun ein Investor fände und Lofts oder ein Zentrum für moderne darstellende Kunst oder... aber da mag ich auch nicht dran denken, dann wäre am Ende alles lackiert und die ganzen Birkenwäldchen, die sich ausweiten und jetzt im Mai so übertrieben grün leuchten wären weg, und es gäbe einen großen Parkplatz links neben dem Gebäude und derlei gruslige Phänomene, Manchmal weiß ich nicht was ich will.

"Das Haus" übrigens, in dem seit Jahren die hoffnungsvollen jungen Sprayer der Nordheide geübt haben, ist mittlerweile richtig vernagelt. Na ja, ein paar Fotos hab ich da ja schon mal machen können...damals, das war so 2010 und 2012, sah das drinnen so aus:

Breaking news:

Im März 2016 ist das Haus abgerissen worden. Der Lokschuppen ist an einen Investor verkauft, der daraus irgendein Projekt entwickeln will, steht ja aslles unter Denkmalsschutz, kann also nicht ainfach abgerissen werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.


25. April 2015

Abrüstung in Brandenburg

Fast 47 Jahre lang nutzte die sowjetische Armee die von den Nazis gebaute Kaserne im brandenburgischen. Seit 1992 stehen die Gebäude leer, ob daraus noch mal Wohnungen werden (wie ein Investor vorschlug) ist ungewiss. Der Wind schlägt mit großen Flügeltüren, so kommt man sich nicht so allein vor. An manchen Stellen kommen russische Zeitungen zum Vorschein, wenn die Tapete runterfällt - mit den Zeitungen wurden noch in den achtziger Jahren Vorbereitungen für neue Wanddekoration getroffen.

Das Kraftwerk für die Heizung der Kasernenanlage steht noch samt Kesseln und Förderbändern.Hier finde ich auch das beeindruckende Graffiti, dessen Zwilling ich schon im Gut Kladow im alten Westberlin gesehen habe.

18. April 2015

Gut Neukladow

Das Gut Neukladow liegt direkt an der Havel, ein paar Kilometer südlich von Spandau. Der alte Herrschaftssitz war bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts Erholungsheium geworden, in den alten Räumlichkeiten der AWO haben sich jetzt Künstler betätigt, die keiner bestellt hatte - die aber den verfallenden Halbneubauten ein aktuelles Flair geben. die Frau erinnert mich an das Graffiti in der alten Sowjet-Kaserne (siehe oben).Auf ihrer Stirn steht "einfach sein" in einer Graphik, die an Sanskrit erinnert oder eine Hindi-Schrift. Ihr gegenüber das beeindruckende Gemälde eines Mannes - ich muss noch herausfinden, wer das sein könnte.


28. Februar 2015: New York Hamburger Gummiwaaren Compagnie

Alte Fabrik im Harburger Hafen - einmal durchfegen, und man hat eine erstklassige location für Tanztheater, Performance, Fotoausstellungen und all diese Sachen. Früher wurden hier Kämme hergestellt und andere Gummiprodukte. Wenn ich in den sechziger Jahren mit der Straßenbahn zur Schule in Wilhelmsburg fuhr, stank es da meist recht nachhaltig. Vor ein paar Jahren war ich außenrum schon mal unterwegs, die standen noch ein paar Gebäude von der Bahn auf der ebenso benannten Bahnhofsinsel, jetzt wird viel neu gebaut, dere Harburger Hafen wird geliftet. Die alte Fabrik entgeht dem lifting hoffentlich möglichst unbeschadet, steht gleub ich auch unter Denkmalschutz. Gehört sich auch so.

Die vier Stockwerke sind ziemlich besprayt, unten ist ein Hinweis an die Wand gesprüht: "Gute Pieces in den oberen Stockwerken". Stimmt zum Teil, viele Werke sind aber eher einfallslose Standardqualität, selten besteht eine Verbindung zur Umgebung. Klar, man muss ja auch irgendwo üben. Aber die Meister scheinen andere Orte zu kennen, hier sind sie nicht so am Werk gewesen. Aber es gibt doch auch sehenswerte Wände. Den alten Albatros (oder was auch imm er das sein mag) unten rechts finde ich ziemölich einzigartig. Allerdings habe ich bis jetzt nicht verstanden, was denn mit dem Motto "Legalize Sanorism" genau gemeint sein soll, wikipedia meint dazu kryptisch:

Sanorism is the mixture of two great minds, which will each other complete the other. it's the mixture of loving history, mystery... Nun gut. Irgendwie so.


Sonntag, 25. Januar 2015

In Rekonvaleszenz: Nordseeluft hilft, wobei auch immer. Hier am kleinen Hafen ist Niedrigwasser, auf dem Deich liegt ein bisschen Schnee, und die Sonne scheint immer wieder mal. Im Kurhaus gibt es den notwendigen Rhabarberkuchen, im ungeheizten Vorraum mit dem Charme des Wartesaales von Bebra imitiert kalter Zigarettenrauch die Würze des Lebens, vergeblich. Im molligen Festsaal hingegen ist der Rhabarberkuchen fluffig und noch warm, regressionsfördernd in jeder Beziehung. Was sagen dazu die Nachkommen Edo Wiemkens des Älteren? Yo man!