Was bisher geschah: Blogs 2020

 

3.1.2020: Zwischenstand, 1. Kapitel: Der alte Lokschuppen (Buchholz)

17.1.2020: Zwischenstand , 2. Kapitel: Brombeerland (Buchholz)

21.1.2020: Auf der Suche nach dem verlorenen Ort (lost place)

30.1.2020: verloren+verloren=gefunden? (lost place)

24.2.2020: Ikonen - Was wir Menschen anbeten (Bremen)

1.3.2020: Die Farben des Waldes (Stuvenwald, Buchholz)

5.3.2020: Lost shelter (Buchholz)

23.3.2020: Zwischenstand, 3. Kapitel: City-Hochhäuser plattgemacht (Hamburg)

 

 

 

Dienstag, 24. März 2020

Fostschutzberegnung

 

In unseren Breiten eine seltene Erscheinung: Mitten im Frühjahrswald steht eine Baumschulenpflanzung, die bei strahlendem Sonnenschein und Tem-peraturen von 5 Grad um 11 Uhr vormittags vereist ist. Drumherum ist alles trocken. Das Ziel ist Frostschutz, weil bei Besprühen der Zweige Ver-dunstungswärme entsteht, die die Blätter und Blüten vor dem Erfrieren bewahrt. Soll tatsächlich funktionieren. Gibts aber eher in Obstanbaugegenden als nor-malerweise bei uns mitten im Stuven-wald. Und weil die an der Grenze stehenden Bäume gleich mit vereist werden, gibt es schicke Eiszapfen - und es tropft einem immer in den Nacken. Unten um die Bäumchen ist es dann eine einzige Pfütze, man muss mit Wurzelfäule rechnen und gerät wo-möglich vom Regen in die Traufe oder vom Eis in die Fäule.  Vor lauter Eis kann man gar nicht erkennen, was für Bäumchen sich darunter verbergen.

Montag, 23. März 2020

Zwischenstand (3. Kapitel):

City-Hochhäuser plattgemacht

 

Ich hab es immer zugegeben: Ich mochte die City-Hochhäuser. Sie hatten den spröden Charme der frühen sechziger Jahre, auch wenn sie nicht mehr so aussahen wie zu Beginn (sie hatten ursprünglich fast weiße Fassaden gehabt, ehe in den siebzigern Zementfaserplatten installiert wurden). So wie die Klinkerwohnblocks der Veddel den Autofahrer am Ende der A 255 kurz vor den Elbbrücken begrüßen, so standen die City-Hochhäuser Spalier, wenn man sich der Innenstadt näherte. Sie waren sowas von anders als das angrenzende Kontorviertel, das eine Verwechslung völlig ausgeschlossen war - und trotzdem schlossen sie auch optisch an das Chilehaus an, ließen auch mal einen Blick auf den Sprinkenhof frei, passgenau (letzte Zeile unten).  Dann wurde unter offensiver Mitwirkung des damaligen Senators Tschentscher  der Denkmalsschutz ausgehebelt und der Architektenwettbewerb passend gemacht und der Abriss beschlossen. Vielleicht tanzten die Häuser nicht genug, vielleicht waren sie nicht ausreichend bling-bling, vielleicht war einfach die Geschossflächenzahl für die 1A-Lage nicht genügend ausgereizt, ist ja auch völlig egal, weg sind sie. Hier die letzten Bilder, als dreiviertel des Komplexes schon weg war. Bonus: der Blick vor acht Jahren und vor einem Jahr.

Donnerstag, 5. März 2020

Lost shelter

 

Die kleinen Rückzugsorte

mit den gesplitterten Fenstern

überall gibt es sie

man muss es nur wissen

wenn man Schutz sucht

da steht auch ein Topf

das Holz liegt neben dem Ofen

roll deinen Schlafsack aus

und wenn es draußen dämmert

schließ die Fensterläden

so dicht es geht

dann wird dir nichts geschehen

es ist ein Rückzugsort.

Sonntag, 1. März 2020

Die Farben des Waldes

 

Auf der Suche nach den Wildkatzen (hier gibt es wohl doch keine) im Stuvenwald unterwegs. Letzte Woche hatte es zweieinhalb Stunden lang geregnet bzw. zwischendurch geschüttet, heute war es trocken. Den Guss gab es erst, als wir wieder zuhause waren. Nebenbei habe ich mich mit den Farben des Waldes beschäftigt - den Pflanzenfarben, den Sprayfarben der Waldarbeiter, und mit ein paar von mehreren tausend Grüntönen. Ganz schön bunt hier, auch im März, und trübes Wetter bringt das Moos zum Leuchten.

Montag, 24. Februar 2020

Ikonen - Was wir Menschen anbeten

 

Die Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zeigt sechzig Werke der Weltkunst, die mit dem Thema ikonischer "Aspekte von Spiritualität, Andacht und Anbetung" (Begleitheft) zu tun haben. Bekannte Künstler wie Warhol, Kandinsky und Mondrian stehen neben YouTube-Stars und Instagram-Influencern. Nicht alle Auswahlentscheidungen leuchten unmittelbar ein, und nicht alles weist einen direkt erkennbaren Bezug zum Generalthema auf. Aber es ist immer wieder eine spannende Begegnung mit vertrauten Abbildern und abrufbaren Bedeutungen, die bestimmte Formen und Figuren auslösen. Klänge, Gerüche und Gestaltungen können Markenzeichen werden, wenn sie von der Werbung so entwickelt werden - oder wenn sie von Künstlern dazu stilisiert werden. "Marylin" von Warhol gehört ebenso dazu wie die Luftballontiere von Jeff Koons oder die Bling-Bling-Werke von Damien Hirst.

 

Manchmal ist es vielleicht eher der Künstler, der das Ikonische verkörpert, als das konkret ausgestellte Werk. Beuys' Konzertflügeljom beispielsweise  weist als  Skulptur weniger ikonische Qualität auf als der Künstler selbst, der durch den Filzhut seine Person zum Teil des Werkes macht. Das streng abstrakt-geometrische Werke Mondrians hat wie das Schwarze Quadrat von Malewitsch einen festen Platz in der Kunstgeschichte - ob und wie es in den Kanon der Kunst gehört, den "wir Menschen anbeten", kann vielleicht nur jeder für sich selbst beantworten.  Und natürlich stößt man auch allerorten immer wieder auf die Frage nach der Möglichkeit / Unmöglichkeit, Werk und Künstler zu trennen. Manches wirkte für mich eher wie ein guter Einfall als wie große Kunst, manches fand ich überflüssig, aber was sagt das schon. Die Flügel-Installation von Beuys, die überraschende Licht-Installation über drei Stockwerke von James Turrell (die allerdings vielleicht eher zur Ausstellung zählte, weil man sie aus den Räumen einfach nicht rauskriegte), auch "Evergreens" wie das Fountain-Urinal von Duchamp oder eine mir unbekannte, beeindruckende Video-Arbeit von Bill Viola bleiben in der Erinnerung, die Zugeständnisse an die Pop-"Ikonen" bleiben blass. Großartig ist die Entscheidung, jedem Werk einen eigenen und farblich kongenial gestalteten Raum zuzugestehen. Leider ist es nicht gelungen, immer nur einen Besucher zur Zeit in den Raum zu lassen...es ist voll an diesem Sonnabend.

Künstler: James Lee Byars (Einübung in den Tod), Kehinde Wiley (Malak Lunsford- der Künstler portraitierte auch Barack Obama für die Präsidentengalerie), Katharina Fritsch (Maria von Lourdes), Isa Genzke ("Nofretete - Das Original"), zweite Zeile: Blicke in die Lichtinstallation von James Turrell ("Above - Between - Below"); dritte Zeile: Duchamp, Jeff Koons, Pinwand; vierte Zeile: Constantin Brancusi, zwei Ausschnitte aus Beuys' "Konzertflügeljom"; fünfte Zeile: Allan McCollums "Zeichen der Abwesenheit" (Begleitheft), zweimal Hirsts "Liberation" aus Schmetterlingsflügeln (Befreiung?); letzte Zeile: Altar von Niki de Saint Phalle (Ausschnitt), Katharina Sieverdings Gold-Selfie.

 

 

 

Donnerstag, 30. Januar 2020

verloren + verloren = gefunden?

 

 

Dies ist der zweite Teil einer neuen Serie. Alte Bilder im noch älteren Kontext - die Bilder im schwarzen Rahmen sind irgendwo zwischen Buchholz und Apulien entstanden. Die Umgebung, Häuser, Schuppen, in der die Bilder jetzt stehen,  ist irgendwie auch ganz schön alt (geworden), aber hier bei uns in der Nordheide. Und aktuell, diese Serie ist ganz frisch. Gestorben wird immer, das gilt auch für Gebäude. Man kann das nur in beschränktem Maß aufhalten, ewiges Leben gibt es nur in bestimmten Religionen, und man sagt ja, unsere Zeit werde immer kurz- oder schnelllebiger.  Wenn ich weiter assoziiere, komme ich bald zu deutschen Sprüchen, die unselige Verknüpfungen mit sich bringen. "Wenn alles in Scherben fällt..." - das stammt aus dem Lied der Deutschen Arbeitsfront, war ein Nazi-Hit sondergleichen und gemahnt daran, wie nahe wir immer wieder in unserer Geschichte an und in der Zerstörung gelebt haben und leben. Scherben. Alltäglich und furchtbar, alles in einem. Diese Zwiespältigkeit spüre ich in meiner aktuellen Serie, und das ist intensiv, aber auch schrecklich. "Denn das Schöne ist nichts / als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, / und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, / uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich." Rilke, Duineser Elegien. Und Proust habe ich mitlerweile auch angefangen, Hörbuch, moderne Literaturrezeption. Und ich knipse weiter.

Dienstag, 21. Januar 2020

 

Auf der Suche nach dem verlorenen Ort

 

 

Mit Fotos von lost places zu verlorenen Orten gehen und beide dort miteinander ins Verhältnis zu setzen - eine neue Serie. Ich glaube, als nächstes muss ich jetzt doch mal Marcel Proust lesen, A la recherche du temps perdu, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, hat sieben Bände, oha... aber passt irgendwie, sieben Bände, sieben Bilder.  In einer Besprechung hat der Journalist Hanjo Kesting vor einigen Jahren dazu geschrieben, ein-drucksvoll sei bei Proust "die Kunst, die Realität durch ihre genaue Beschreibung gleichsam aufzulösen und sie gleichzeitig im Prozess der Erinnerung zurückzugewinnen". Das passt, finde ich, zu meiner neuen Serie. Verschiedene Räume, aber immer dieselben Fotos. Was bleibt von dem Raum, was vom gerahmten Foto? Was im Prozess der Erinnerung ist neugewonnene Realität? Es kann einem schon mal ein bisschen schwindlig werden. Dann tut der Rahmen gut.

Freitag, 17. Januar 2020

Zwischenstand, 2. Kapitel:

Brombeerland

(Canteleu-Quartier - Buchholzer Bahnhofsviertel)

 

Ein weiteres Bauerwartungsgebiet in unserem kleinen Buchholz: Das Bahnhofsviertel (wegen der nebenan liegenden Canteleu-Brücke auch "Canteleu-Quartier" genannt). Die meisten Häuser zwischen Fisch-Pagel und Second-Hand-Shop werden abgerissen, aber noch steht alles rum und wartet. Welche der beiden schönen Altbauten (Rechtsanwaltskanzlei, Arztpraxis - siehe unten) erhalten und in den Neubaukomplex intregriert wird, war noch vor kurzem nicht so genau zu erfahren, aber es soll was bleiben... Die Heißmangel und das Leerstands-Café mit dem Einschussloch in der Frontscheibe müssen sicher dran glauben. Bis dahin übernehmen die Brombeeren das Gelände. Ob man noch wird ernten können im nächsten  Spätsommer bleibt abzuwarten.

Freitag, 3. Januar 2020

Zwischenstand, 1. Kapitel : Der alte Lokschuppen

 

Regelmäßig gucke ich alle ein, zwei Jahre beim alten Lokschuppen in Buchholz vorbei (z.B. BilderBlog 7.5.2015 / 29.3.2016). Bis vor drei Jahren gehörte noch das alte Eisenbahnerhaus nebenan dazu, in dem die Buchholzer Jugend das Sprayen geübt hatte. Als es abgerissen wurde, fürchtete ich um den Lokschuppen - aber er ist eines der wenigen denkmalsgeschützten Objekte in Buchholz, und er blieb daher stehen. Nun kommt Bewegung in das Ambiente, der Lokschuppen ist geräumt und vorbereitet auf Sanierung und Ausbau - wohl für Lofts und Eigentumswohnungen. Es gäbe schickere Verwendungszwecke, aber keiner will das bezahlen, also kommen Investoren zum Zug, die eher die Rendite als den schönen Bau im Auge haben. Aber so ist es nun  mal.